Günter und Luise und Auferbauer • Tourentipp Nr. 1065

Benannt ist der kleine, feine Bergstock nach dessen typischer Felsenfarbe. Im Begriff Rote Wand – nomen est omen – vereinen sich, gleichermaßen, Freizeit-Materie und Freizeit-Philosophie: "Heut´ gehen wir auf die Rote Wand."

Die populäre Felsformation ist sonnseitig exponiert, infolgedessen ein alpin-sportiver Betätigungsbereich, aufgesucht während des gesamten Jahres. Auf den Punkt gebracht: Die Rote Wand gilt als Fokus im Grazer Bergland, nützlich dem Klettern wie dem Wandern, ebenso dem Natur-Erleben und dem In-die-Ferne-Schauen.
Dass der Gipfel der Roten Wand auch mit Schiern erreichbar ist, weiß ein bloß enger Kreis. Ähnlich klein ist die Anzahl jener Mountainbike-Enthusiasten, welche wie selbstverständlich ihr Sportgerät gipfelwärts tragen. Die darüber gespannte Bike-Philosophie gründet im Begriff "upmove", und die auf den Fuß folgenden Adrenalinschübe subsumieren sich im Downhill-Feeling. Der Kontrapunkt: Die Interessensgemeinschaft "upmove" ringt in den Niederungen tradierter (Welt-)Anschauungen um eine bundesweit gesetzeskonforme Zulassung des Mountainbikens auf Wanderwegen.
Dieselbe Rote Wand dient, zwischenzeitlich, der Vogelbrut. Daraus resultiert eingeschränktes Klettern. jedoch sind die Bewegungseinschränkungen zeitlich begrenzt. Höflich formulierte Infotexte erwähnen den Zusammenhang. Ursache und Auswirkungen sind an Wandzustiegen beschrieben, konkret nahe dem Almbachergraben, sinngemäß: "Wegen Vogelbrut im Bereich der Gipfelwand, bitte, nicht klettern im Zeitraum 1. Jänner bis 15. Juli."

Mit Auto oder Öffis reisen?

Am "Parkplatz Rote Wand" (880 m) prangen Autokennzeichen aus Einzugsgebieten aller Himmelsrichtungen und Nachbarländer. Dennoch. Einer Platznot beim Parken lässt sich ausweichen, beispielsweise wenn man antizyklisch unterwegs ist, frei nach dem Motto: "Komm an, wenn andere (noch) nicht da sind."

Gibt’s eine Verkehrmittel-Alternative? Ja. Aber Öffi-affine Unterwegszeiten währen länger. Daher ist zeitgerechtes Aufstehen oft wesentlich, um die Reise-Philosophie "Auf Schienen in die Freizeit" erfolgreich umzusetzen. Dennoch. Benütz’ die S-Bahn! Wobei einzurechnen ist, für S-Bahn-Reisende dehnen sich Gehzeiten an der Roten Wand um gut zwei Stunden.

Was tun? Abzuwägen ist, dass jede Bahn-Mitfahrt einen Parkplatz freihält. Folglich gönnen wir – dieses Mal – einer imaginären Seilschaft unseren fiktiven Parkplatz. Denn unser Ausgangspunkt und Endpunkt heißt dieses Mal "Bahnhof Mixnitz-Bärenschützklamm".

Steinböcke haben stets Vorrang

Der »unter der Roten Wand« verlaufende Wanderweg Nr. 748 ergibt gemeinsam mit dem »über die Rote Wand« führenden Weg Nr. 747 eine beliebte Rundtour. Umso mehr, als die Strecke in beiden Richtungen gleichermaßen gut begehbar ist und jeweils an die Tyrnauer Alm heranführt. In der Almhütte wird gesungen und musiziert, folglich herrscht Stimmung herzhafter, gern auch lauter Töne. Der musisch begabte Viehhalter nennt sich "Alm-Erich" und wirkt für Gäste, vorrangig, als gestandener Mundschenk. Prost!

Unabhängig davon enthält der Bereich "Rote Wand" stille Räume, konkret Natur-pur-Räume. Darin verlaufen Wandertouren, wortecht Schritt für Schritt, spannend bis aufregend: Mitunter ruht Steinwild unmittelbar an Wanderwegen. Bei derart situierten Begegnungen lautet die logische Ausweich-Regel: "Steinböcke haben stets Vorrang!"

Unter der Roten Wand ...

Einen Gedanken zurück zum Anfang der Tour: Entlang des Weges Nr. 748 queren wir das wandnahe Gelände in einem Waldsaum, überblicken unterschiedliche Teile des insgesamt sonnseitigen, daher nahezu ganzjährig besuchten Klettergebietes. In rund 1200 Meter Seehöhe erreicht man jenen schmalen Geländerücken, worüber der Gipfel der Roten Wand aufragt. (Der dorthin führende direkte Anstieg, über das "Frohnleitner Band", wird wieder gern genutzt. Die Klettersteig-Sicherungen wurden instand gesetzt.)

Aktuell verbleiben wir auf Waldboden: Nach einem Windbruchgelände und dem anschließenden schönen Bergforst betreten wir den Almsattel (1327 m). Die Mautstraße leitet geringfügig abwärts. In Sichtweite steht die Tyrnauer Almhütte. Deren nahe Lage ist auch bei Nebelwetter wahrnehmbar: dank Ziehharmonika und Bass-Tuba.

... auf die Rote Wand (1505 m) ...

Aus dem erwähnten Almsattel gelangen wir über Weideböden auf den Poschwiesenkogel (1450 m). Eine Erinnerung keimt in uns auf, der Anlass liegt rund fünf Jahre zurück: Hier wühlte wie konzertiert jene Wildschwein-Armada, welche große Flächen im Almenland-Boden mit dem Rüssel faktisch umgepflügt hatte. Mittlerweile kehrte Ruhe zurück, die Narben im Weideboden sind verheilt.
Ein massiver Hochsitz dominiert den Poschwiesenkogel. Wir überblicken, nordwärts, die Brunntalwände und erahnen in deren Felsformationen u. a. das "Sanduhrenparadies" und die "Krabbelstube".
Welch ein interessanter Kontrast zusätzlich! Auch im Bereich des Brunntals füllen scheinbar sanft geformter Bergwald und pralle Felsformationen einen jeden unserer Augen-Blicke aus.
Wer mit dem Gelände am Poschwiesenkogel einigermaßen vertraut ist, verhält sich zunehmend zurückhaltend, erahnend, auch dem Steinwild behagt dasselbe Gelände. Wir erinnern uns an Steinbock-Begegnungen gar wie tête-à-tête. Die Einjährigen positionierten sich fotogen wie Models.
Am Poschwiesensattel (1400 m) halten wir aus einem gewichtigeren Grund ein jedes Mal an. Eine aus Holz gefertigte Gedenktafel erinnert an Hans Hyden: "Erfroren am 6. Jänner 1929". Verinnerlicht fragen wir in uns nach: Warum verlief jener Dreikönigtag derart unbarmherzig?

Nicht viele Schritte weiter: Am solid gezimmerten Überstiegl wechseln wir in den urigen Bergwald; die Spannung darf anwachsen. Wer zum ersten Mal hier unterwegs ist, erstaunt, wie nahe der Waldsaum an die Geländekante heranreicht. Auch nordseitig, in Blickrichtung Hochschwabgruppe: "Oh, wie schööön."
Schlussendlich erreichen alle Ankommenden – unabhängig davon, welchen Weg sie gegangen sind – das einfühlsam umzäunte Gipfelkreuz, erfreuen sich herzhaft: "Wir stehen auf der Roten Wand."

... und über die Rote Wand

Bisher lernten wir während des Absteigens – in Richtung Bucheben – noch ein jedes Mal eine uns neu scheinende Wegspur kennen. Ausgenommen dann, wenn wir direkt dem markierten Steig folgten.
Zumeist jedoch wollen wir länger im Banne der Roten Wand verweilen, folglich steigen wir gern nahe der südwestseitigen Geländekante ab. Daran findet sich ein jeder "alpiner Spaziergänger" zurecht. Wenig gedient wäre Neulingen mit dem Ratschlag, "steig einfach gegen Sonnenuntergang ab". Aufgepasst! An derselben Kante, welcher auch wir so gern folgen, grenzen "fester Boden und Luft unter den Sohlen" stellenweise bloß schuhbreit aneinander. Tiefblicke zur Linken schärfen jedes Bewusstsein: Diese rot gefärbte Wandflucht fällt senkrecht bis überhängend ab. Dennoch. Daraus tönt Leben, oft sogar viel Leben, vereint im gleichen Wort: "Stand! Nachkommen!"

Ein, zwei Schritte abseits der Geländekante, daher schon im Gehgelände, markieren Bohrhaken und Ringe die letzten Standplätze. Hier legen Seilschaften ihre Ausrüstung entspannt ab: Endlich heroben!
Die markierte Abstiegsroute, konkret der Weg Nr. 747, leitet in die Bucheben. Zum selben Weg gelangen Rote-Wand-Fußgänger auch dann noch, wenn man erst aus dem unteren Teil des Gratrückens waldwärts einquert.

Auf der Bucheben (1081 m) – durchaus würdig einer Filmkulisse wie schon damals in den 1950er-Jahren –, ja, auf diesem einzigartig harmonisch wirkenden Sattel zwischen Roter Wand und Röthelstein, halten wir inne. Währenddessen durchdringt uns, erneut, die dauerhaft währende Erkenntnis:
Das Grazer Bergland enthält unendlich viele "Harmonien des Kontrastes". Diesen zeitlos gültigen Gedanken widmen wir dem Erschließer des Grazer Berglandes: Franz Horich.


Über die Rote Wand • Tour konkret

Talorte: Tyrnau (616 m). Anfahrt mit dem Auto: über Frohnleiten und Schrems. In Tyrnau Hinweis zum "Parkplatz Rote Wand".
Mixnitz (450 m). Anfahrt: mit der S-Bahn-Linie S1. Oder mit dem Auto, durch Mixnitz, zum "Heubergstüberl".
Orientierung: Wegtafeln, markierte Wege (Arbeitsgebiet der Sektion Mixnitz); in der Natur diverse Zusatz-Informationen.
Wegstrecke: grundsätzlich ganzjährig begehbar
Anforderungen: alpines Gelände. Erhöht Aufmerksamkeit im Gipfelbereich
Ausgangspunkte, Rundtour-Gehzeiten, Höhenmeter:

  • Parkplatz Rote Wand, 4 Std., 750 Hm;
  • Parkplatz Heubergstüberl, 6 Std., 1180 Hm;
  • Bahnhof Mixnitz-Bärenschützklamm, 6:45 Std., 1180 Hm.

Einkehr:
"Heubergstüberl" in Mixnitz; geöffnet Mitte April bis Anfang November (Ruhetag: Mo); +43 650 5066166
Tyrnauer Almhütte; geöffnet Mai bis Oktober, zumindest an Wochenenden; +43 664 2603725 – www.almerich.at

Infos

Verkehrsverbund: Folderserie "Wandern mit Bus und Bahn"; Broschürenserie "Auf Schienen in die Freizeit"; großteils mit GPS-Daten. Kostenlos erhältlich bei Mobil Zentral
www.verbundlinie.at/freizeit
Mobil Zentral: "Bahnhof in der City", Graz, Jakoministraße 1. Alle Informationen zu Bus, Bahn, Bim; Auskünfte, Beratung, Buchungen, Fahrradverleih, Fahrkartenverkauf, Flixbus-Tickets;
+43 (0)50 678910; service@mobilzentral.at
Fahrplanauskünfte: www.verbundlinie.at

Orientierung

Kletterführer "Grazer Bergland" – www.schall-verlag.at
Rother-Wanderführer "Grazer Hausberge" – www.rother.de


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Steirische Verkehrsverbund GmbH